HKF Beratergruppe – Steuerberater. Wirtschaftsprüfer. Rechtsanwälte. Insolvenzverwalter. Im Raum Bonn und Berlin.

Das ABC der außergewöhnlichen Belastungen

Artikel vom:

14.09.2012

Themen:

Einkommensteuer, Außergewöhnliche Belastungen, agB, absetzen, steuerlich geltend machen, Eigenanteil, Krankheitskosten, Altenheimkosten, Pflegekosten, Alternative Behandlungsmethoden, Fahrtkosten zum Arzt, Massagen, medizinische Hilfsmittel, Zahnarztkosten, Scheidungskosten, Zivilprozesskosten

Arzt-, Scheidungs-, Heim- und Unterstützungskosten sind nur einige Beispiele von Ausgaben, die steuerlich bei Einhaltung der Voraussetzungen und nach Abzug eines Eigenanteils abzugsfähig sind.

Entstehen jemand zwangsläufig größere Kosten als der überwiegenden Mehrheit, können diese steuerlich als außergewöhnliche Belastungen (agB) abgesetzt werden. Außergewöhnlich sind sie dann, wenn sie durch besondere Verhältnisse veranlasst sind. D. h., sie dürfen nur bei einer kleinen Minderheit von Steuerpflichtigen gleicher Einkommens-, Vermögens- und Familienverhältnisse anfallen. Zwangsläufigkeit liegt nur vor, wenn sich der Steuerpflichtige aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann.

Jedoch unterstellt das Gesetz, dass jedem Steuerpflichtigen zugemutet werden kann, agB in bestimmter Höhe selbst zu tragen. Aus diesem Grund wird von der Summe der nachgewiesenen Kosten die sogenannte zumutbare Eigenbelastung abgezogen (vgl. hierzu die Angaben in der Tabelle).

Beispiel: Ein Ehepaar mit einem Kind und einem Jahreseinkommen von € 70.000 hat € 4.000 für Arztkosten ausgegeben. Die zumutbare Belastung beträgt nach der anzuwendenden Tabelle 4 % von € 70.000 = € 2.800. Somit können € 1.200 als agB geltend gemacht werden.

Eine Auswahl an möglichen agB:

  • Krankheitskosten, wenn der Nachweis der Zwangsläufigkeit durch die Verordnung eines Arztes, Heilpraktikers, amtsärztlichen Gutachtens oder die Bescheinigung des medizinischen Dienstes einer Krankenkasse nachgewiesen ist.
  • Altenheim- oder Pflegekosten nach Abzug einer sogenannten Haushaltsersparnis und nur insoweit sie nicht durch Leistungen der Pflegeversicherung gedeckt sind.
  • Alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Akupunktur, soweit sie durch einen Arzt oder Heilpraktiker erfolgen.
  • Fahrtkosten zum Arzt, zur Therapie und zu sonstigen Behandlungen
  • Massagen, soweit sei durch einen Arzt oder Heilpraktiker verordnet wurden.
  • Brillen, Kontaktlinsen, Hörgeräte, Bandscheibenmatratzen, motorbetriebene Lattenroste und andere medizinische Hilfsmittel, soweit sie durch ein amts- oder vertrauensärztliches Attest als notwendig erachtet werden.
  • Schul- oder Internatsunterbringung von kranken  Kindern
  • Zahnärztliche Behandlungen unabhängig vom verwendeten Material und unabhängig von der Höhe der Kosten
  • Asbest- oder Hausschwammsanierungen
  • Beerdigungskosten
  • Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung bei Blitz-, Brand- oder ­Katastrophenschäden
  • Diebstahl von Hausrat und Kleidung
  • Scheidungskosten
  • Unterstützung an Angehörige nur dann, wenn der Empfänger bedürftig ist. Zur Prüfung der Bedürftigkeit gibt es jedoch enge Grenzen hinsichtlich Einkünften, Bezügen und Vermögen des Bedachten.
  • Zivilprozesskosten sind nach der Rechtsprechung absetzbar, was jedoch von der Verwaltung bis zu einer gesetz­lichen Neuregelung gestoppt wurde.
Zumutbare Belastung      
    Gesamtbetrag der Einkünfte  
Familienstand bis € 15.340 € 15.341 bis 51.130 über € 51.130
ledig 5% 6% 7%
verheiratet 4% 5% 6%
mit 1 oder 2 Kindern 2% 3% 4%
mit mehr als 2 Kindern 1% 1% 2%
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