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Die große Bilanzrechtsreform – die wichtigsten Neuerungen

Ende Mai dieses Jahres wurde im Bundesrat die größte Bilanzrechtsreform seit Mitte der 80er Jahre beschlossen. Sie soll das deutsche Bilanzrecht zu einer im internationalen Vergleich vollwertigen und kostengünstigen Alternative machen. Wir haben die wichtigsten Neuerungen kurz zusammengefasst.

Das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) bringt Vereinfachungen vor allem für kleinere Betriebe, Händler und Gewerbetreibende. Rückwirkend werden etwa Kaufleute bereits ab 31.12.2007 von der Pflicht zur Bilanzerstellung befreit, soweit sie in zwei aufeinander folgenden Jahren Umsätze von nicht mehr als 500.000 € und einen Jahresüberschuss von nicht mehr als 50.000 € aufweisen.

Schwellenwerte steigen

Die Intensität und der Umfang von offenzulegenden Zahlen bei Kapitalgesellschaften sind von der Größe des Betriebs abhängig. Ebenso die Prüfungspflicht, die erst ab mittelgroßen Firmen gilt. Die Schwellenwerte für Umsatz und Bilanzsumme werden ab 31.12.2007 um 20% erhöht.

Neuerungen 2010

Die übrigen Änderungen gelten für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2009 beginnen. Die wichtigsten im Überblick:

  • Entgeltlich erworbener Firmenwert muss aktiviert und auf die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter, wie beispielsweise die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren, können aktiviert werden. Allerdings nur insoweit, als sie auf der Entwicklungs- und nicht auf der Forschungsphase beruhen.
  • Aufgehoben wird die enge Verknüpfung der Handels- mit der Steuerbilanz. Da die Handelsbilanz aber weiterhin Grundlage der Steuerbemessung ist, müssen Abweichungen in entsprechenden Verzeichnissen fortgeführt werden.
  • Durch unterschiedliche Wertansätze in Steuer- und Handelsbilanz passt der Steueraufwand nicht zum handelsrechtlichen Ergebnis. Diese so genannten latenten Steuern müssen (wenn Passivposten) bzw. können (wenn Aktivposten) künftig in der Handelsbilanz ausgewiesen werden. Dies gilt nur für Kapitalgesellschaften. Kleine Kapitalgesellschaften sind davon jedoch befreit.
  • Preis- und Kostensteigerungen sind künftig bei der Bemessung von Rückstellungen nur handelsrechtlich, nicht aber steuerlich zu berücksichtigen.
  • Die Abzinsungspflicht von Rückstellungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr gilt nun auch für die Handelsbilanz. Das führt zu einem niedrigeren Passivposten und damit zu einem besseren Ergebnis und höherem Eigenkapital.
  • Kapitalgesellschaften müssen im Anhang in Zukunft auch nicht in der Bilanz enthaltene Geschäfte, wie z.B. die Verpfändung von Aktivposten sowie Mietverträge angeben, wenn das für die Beurteilung der Gesellschaft wesentlich ist.

Fazit:

Die Bundesregierung hat mit dem neuen Gesetz viel für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts getan. Vor allem kleineren und mittleren Unternehmen sollten die neuen Regelungen zugutekommen.

© InfoMedia


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