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Keine Erbschaftsteuer bei ­Familienheim

Artikel vom:

30.11.2012

Themen:

Recht, Erbschaftsteuer, Familienheim, Freistellung, Eigennutzung, Selbstnutzung

Die Vererbung eines vor und nach dem Ableben des Erblassers eigengenutzten Gebäudes im engen Familienkreis unterliegt nicht der Erbschaftsteuer. Die Finanzverwaltung konkretisierte in einer Info die Anforderungen hierzu.

Die Freistellung von der Steuer gilt für die Vererbung durch den Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner sowie die Kinder bzw. deren Nachwuchs bei verstorbenen Sprösslingen. Dabei ist der Wert der Immobilie egal. Bei Kindern ist der Erwerb nur bis zu einer Wohnfläche von 200 qm steuerfrei.

Voraussetzung ist weiterhin, dass der Erblasser das Heim bis zu seinem Tode selbst  bewohnt hat oder pflegebedingt die Nutzung zu eigenen Wohnzwecken aufgeben musste. Der Nachkomme muss die Wohnung unverzüglich und ohne schuldhaftes Zögern mindestens für zehn Jahre selbst nutzen. In der Wohnung muss auch der Mittelpunkt des familiären Lebens liegen. Nicht begünstigt sind daher Ferien- oder Wochenendwohnungen oder die Nutzung als Zweitwohnung bei einem Berufspendler.

Entfällt die Selbstnutzung innerhalb von zehn Jahren durch Verkauf, Vermietung, Leerstand oder unentgeltliche Überlassung, entfällt die Befreiung vollständig. Die Selbstnutzung des Nachfolgers muss auch unverzüglich geschehen. Eine Zeitspanne von einem Jahr ist  nicht zu beanstanden, es sei denn, es wären Anhaltspunkte erkennbar, dass ein Umzug auch schneller möglich gewesen wäre.

Beispiel 1:

Das vererbte Haus wurde längere Zeit nicht mehr renoviert. Der Sohn gibt  sofort umfangreiche Renovierungsarbeiten in Auftrag, die 18 Monate dauern. Zeitnah zieht dann der Sohn selbst ein: Die Steuerfreiheit ist gesichert.

Beispiel 2:

Der Erbe meldet seinen Wohnsitz zwar unverzüglich um, er bleibt aber in der bisherigen Wohnung.  Die Renovierung wird nach und nach mit zum Teil großer zeitlicher Verzögerung vorgenommen. Nach Abschluss der Arbeiten zieht er mit seiner Familie ein: Da der Entschluss zum Umzug nicht unverzüglich umgesetzt wird, kann eine Steuerbefreiung nicht gewährt werden. 

Beispiel 3:

Die Wohnung war im Zeitpunkt des Erbfalls vermietet, weil der Erblasser im Pflegeheim war. Der Sohn kündigt das Mietverhältnis zeitnah und zieht unverzüglich selbst ein: Die Steuerbegünstigung wird gewährt.

Beispiel 4:

Im Zuge von dringend notwendigen Renovierungsarbeiten wird festgestellt, dass dies unwirtschaftlich wäre. Es folgt deshalb ein Abriss und Neubau. Nach zwei Jahren zieht der Sohn in das neue Gebäude ein: Eine Steuerbegünstigung kommt  nicht in Betracht, da keine Nutzung der im Nachlass befindlichen Wohnung vorliegt.

© InfoMedia


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